| Erstattung von Fortbildungskosten bei Arbeitgeberkündigung |
| Ein Arbeitnehmer kann sich
wirksam zur Rückzahlung von Fortbildungskosten verpflichten, wenn
das Arbeitsverhältnis vor Ablauf einer bestimmten Frist endet. Die
Kostenerstattung muss ihm allerdings bei Abwägung aller Umstände
des Einzelfalls nach Treu und Glauben zumutbar sein. Sie muss einem begründeten
und billigenswerten Interesse des Arbeitgebers entsprechen. Daran fehlt
es in der Regel, wenn die Rückzahlungspflicht auch bei einer arbeitgeberseitigen
Kündigung vereinbart ist. Wird einem Arbeitnehmer vorzeitig aus einem
Grund gekündigt, auf den er keinen Einfluss hat, liegt es nicht an
ihm, dass sich die Bildungsinvestition des Arbeitgebers nicht amortisiert.
Eine Rückzahlung ist dem Arbeitnehmer dann nicht zumutbar.
Auf Erstattung von Fortbildungskosten geklagt hatte eine Arbeitgeberin, die einer Krankenschwester eine berufsbegleitende Weiterbildung "Leitung/Management von ambulanten Pflegediensten" finanzierte und das Arbeitsverhältnis bereits während der sechsmonatigen Probezeit kündigte, sowie ein Arbeitgeber, der die Kosten einer "CATIA-Schulung" eines Maschinenbau-Ingenieurs übernahm und das Arbeitsverhältnis nach siebeneinhalb Monaten wegen fehlender Eignung des Arbeitnehmers beendete. Beide Klagen hatten vor dem Sechsten Senat des Bundesarbeitsgerichts keinen Erfolg. Zwar bedurfte im ersten Fall die Kündigung zu ihrer Wirksamkeit keines Kündigungsgrundes. Für ihren Erstattungsanspruch musste die Arbeitgeberin jedoch ein vertragswidriges Verhalten der Krankenschwester als Grund für die Beendigung der Zusammenarbeit belegen. Einen solchen Nachweis hatte sie nicht führen können. Im zweiten Fall hatte der Arbeitgeber das Risiko der mangelnden Eignung des Maschinenbau-Ingenieurs trotz Fortbildung zu tragen. Dieser hatte es nicht in der Hand, durch eigene Betriebstreue einer Rückzahlungspflicht zu entgehen. BAG, 24.6.2004 - Az: 6 AZR
320 und 383/03
Quelle: PM des BAG |