| Anrechnung des Berufsschulbesuchs auf die wöchentliche Ausbildungszeit |
| Die Beklagte bildete den
volljährigen Kläger zum Einzelhandelskaufmann aus. Nach dem für
das Ausbildungsverhältnis geltendem Manteltarifvertrag für die
Arbeitnehmer im Einzelhandel in Bayern betrug die regelmäßige
wöchentliche Ausbildungszeit 37,5 Stunden. Der Kläger hatte von
dienstags bis freitags je 8 Stunden und am Montag 5,5 Stunden zu arbeiten.
An diesem Tag nahm er regelmäßig 8 Stunden am Berufsschulunterricht
teil. Hierfür stellte ihn die Beklage frei. In einer Betriebsvereinbarung
vom 11. Januar 2000 ist eine wöchentliche Ausbildungszeit von 40 Stunden
bestimmt und geregelt, daß der erste Berufsschultag in der Woche
mit 8 Stunden vergütet wird. Daraufhin hat der Kläger die Zahlung
von Mehrarbeitsvergütung für 2,5 Stunden wöchentlich verlangt.
Das Landesarbeitsgericht hat die Klage abgewiesen.
Die Revision des Klägers hatte vor dem Sechsten Senat des Bundesarbeitsgerichts keinen Erfolg. Der Kläger hat keine Mehrarbeit geleistet. Der Berufsschulbesuch war nicht mit insgesamt 8 Stunden auf die wöchentliche Ausbildungszeit anzurechnen. Hierfür fehlt es an einer Rechtsgrundlage. Nach § 7 Abs. 1 BBiG ist der Auszubildende für die Teilnahme am Berufsschulunterricht freizustellen. Ihm ist die Vergütung für die Zeit der Freistellung fortzuzahlen. Überschreitet die Dauer des Berufsschulunterrichts die an diesem Tag zu leistende Ausbildungszeit, ist die darüber hinaus für die Teilnahme am Berufsschulunterricht aufgewendete Zeit nicht auf die wöchentliche Ausbildungszeit anzurechnen. Die Vorschrift des § 9 Abs. 2 Nr. 1 JArbSchG enthält eine entsprechende Anrechnungsvorschrift nur für Auszubildende unter 18 Jahren. Auf die im Ausbildungsbetrieb geltende Betriebsvereinbarung kann sich der Kläger nicht berufen. Sie ist tarifwidrig (§ 77 Abs. 3 BetrVG). BAG, 13.2.2003 - 6 AZR 537/01
Quelle: PM des BAG |